Belonging verbindet Diversity und Inklusion zu einer neuen HR-Dimension, die Kultur und Erfolg prägt.
Jana Seidel (they/them)
08.09.2025
Lange Zeit galt Diversity Management als Maßstab für moderne Unternehmen. Vielfalt sollte sichtbar werden, um Chancengleichheit zu sichern und neue Perspektiven einzubringen. In den letzten Jahren hat sich jedoch ein neuer Fokus entwickelt, der über das reine Abbilden von Vielfalt hinausgeht: Belonging. Dieser Begriff beschreibt nicht nur die bloße Anwesenheit unterschiedlicher Menschen im Unternehmen, sondern das Gefühl, wirklich dazuzugehören. Für HR-Abteilungen eröffnet sich damit eine neue Dimension, die entscheidend für langfristigen Erfolg ist.
Von der Zahl zur Erfahrung
Diversity wird häufig in Zahlen gemessen. Wie hoch ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen? Wie viele Mitarbeitende mit internationalem Hintergrund gibt es im Unternehmen? Diese Kennzahlen sind wichtig, greifen jedoch zu kurz. Denn entscheidend ist nicht nur, wer im Unternehmen vertreten ist, sondern wie sich diese Menschen fühlen. Belonging rückt genau diese Erfahrung in den Mittelpunkt. Mitarbeitende sollen nicht das Gefühl haben, lediglich eine Quote zu erfüllen, sondern spüren, dass ihre Stimme zählt und ihr Beitrag gewürdigt wird.
Die Rolle der Inklusion als Zwischenschritt
Oft wird Belonging in einem Atemzug mit Diversity und Inklusion genannt. Tatsächlich sind diese Begriffe eng miteinander verbunden, jedoch nicht identisch. Diversity beschreibt die Vielfalt, Inklusion die aktive Einbindung dieser Vielfalt in Strukturen und Prozesse. Belonging geht noch einen Schritt weiter. Es beschreibt den Zustand, in dem Menschen sich authentisch zeigen können, ohne Angst vor negativen Konsequenzen. Erst wenn Inklusion gelingt, kann Belonging entstehen.
Warum Belonging wirtschaftlich relevant ist
Ein Gefühl der Zugehörigkeit wirkt sich direkt auf Leistung und Motivation aus. Studien belegen, dass Mitarbeitende, die sich zugehörig fühlen, produktiver arbeiten, länger im Unternehmen bleiben und kreativer denken. Belonging senkt Fluktuationskosten, steigert Innovationskraft und wirkt wie ein Katalysator für die Unternehmenskultur. Für HR bedeutet das: Belonging ist kein weiches Thema, sondern ein klar messbarer Erfolgsfaktor.
Praktische Ansätze für Unternehmen
Um Belonging zu fördern, reicht es nicht, einmalige Diversity-Initiativen umzusetzen. Es geht um einen kulturellen Wandel, der von oben vorgelebt und auf allen Ebenen verankert wird. Dazu gehören:
Führungskräfte, die bewusst eine offene Kultur fördern und als Vorbilder auftreten
HR-Prozesse, die Vielfalt und Zugehörigkeit berücksichtigen, von der Rekrutierung bis zur Entwicklung
Trainingsprogramme, die Sensibilität und Verständnis für Unterschiede schaffen
Räume für Austausch, Netzwerke und Employee Resource Groups, die Zugehörigkeit aktiv stärken
Belonging als Teil der Arbeitgebermarke
Die Fähigkeit eines Unternehmens, ein Gefühl von Zugehörigkeit zu schaffen, wird zunehmend zu einem zentralen Faktor im Employer Branding. Gerade die jüngeren Generationen erwarten mehr als ein Diversity-Statement auf der Karriere-Website. Sie suchen nach Arbeitgebern, bei denen sie sich selbst einbringen können und ihre Individualität respektiert wird. Wer Belonging strategisch verankert, gewinnt nicht nur Talente, sondern bindet sie auch langfristig.
Fazit: Die neue HR-Dimension entscheidet über Zukunftsfähigkeit
Von Diversity zu Belonging führt ein klarer Weg: Vielfalt sichtbar machen, Inklusion aktiv leben und schließlich ein Umfeld schaffen, in dem echte Zugehörigkeit entsteht. Unternehmen, die diese Entwicklung ernsthaft verfolgen, stärken nicht nur ihre Kultur, sondern auch ihre Wettbewerbsfähigkeit. Belonging ist damit keine kurzfristige Mode, sondern eine neue HR-Dimension, die über den langfristigen Erfolg entscheidet.
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