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Red Flags erkennen: Diese Zeichen verraten dir, ob ein Arbeitgeber wirklich LGBTQ+-freundlich ist

Red Flags erkennen: Diese Zeichen verraten dir, ob ein Arbeitgeber wirklich LGBTQ+-freundlich ist

Red Flags erkennen: Diese Zeichen verraten dir, ob ein Arbeitgeber wirklich LGBTQ+-freundlich ist

Regenbogenlogos im Juni sind nett – aber echte LGBTQ+-Freundlichkeit zeigt sich anders. 39% der queeren Arbeitnehmenden verstecken noch immer ihre Identität am Arbeitsplatz, und 41% haben bereits Diskriminierung erlebt.

Miriam Vogel (she/her)

Die Regenbogenflagge im Firmenlogo während des Pride Month ist schön und gut, aber reicht das wirklich aus? Für LGBTQ+ Personen ist die Wahl des Arbeitgebers oft mehr als nur eine Karriereentscheidung. Es geht um Sicherheit, Authentizität und die Möglichkeit, sich vollständig am Arbeitsplatz einbringen zu können. Aktuelle Zahlen zeigen, dass 39% der LGBTQ+ Arbeitnehmenden ihre Identität am Arbeitsplatz noch immer verstecken. Gleichzeitig haben 41% bereits Diskriminierung am Arbeitsplatz erfahren. Diese Statistiken machen deutlich: Nicht jedes Unternehmen, das sich inklusiv nennt, ist es auch wirklich.

Doch wie erkennst du schon im Bewerbungsprozess, ob ein Arbeitgeber authentisch inklusiv ist oder nur "Rainbow Washing" betreibt? Bei LGBTQ+Jobs haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, nur Arbeitgeber auf unserer Plattform aufzunehmen, die echte Inklusionskriterien erfüllen. In diesem Artikel zeigen wir dir die wichtigsten Red Flags und welche positiven Zeichen du stattdessen suchen solltest.

Die Website und Außendarstellung: Mehr als nur bunte Logos

Ein erster Blick auf die Unternehmenswebsite kann bereits viel verraten. Red Flag: Die Diversity-Seite ist versteckt unter zig Untermenüs oder existiert nur als kurzer Absatz ohne konkrete Inhalte. Besonders verdächtig wird es, wenn ausschließlich während des Pride Month über LGBTQ+ Themen gesprochen wird, den Rest des Jahres aber komplette Funkstille herrscht.

Green Flag: Das Unternehmen zeigt ganzjährig diverse Teams in Bildern und Videos, nicht nur symbolisch. Mitarbeitende sprechen in Testimonials offen über ihre Erfahrungen als LGBTQ+ Personen im Unternehmen. Es gibt konkrete Informationen zu Diversity-Initiativen, Netzwerken und Maßnahmen, inklusive Ansprechpersonen.

Die Stellenanzeige: Zwischen den Zeilen lesen

Stellenanzeigen verraten oft mehr, als sie sollten. Red Flag: Formulierungen wie "traditionelles Familienunternehmen" oder "konservative Unternehmenskultur" können Hinweise auf wenig Offenheit sein. Wenn ausschließlich heteronormative Beispiele verwendet werden ("Er/sie kümmert sich um...") oder Benefits nur für "Ehepartner" gelten, deutet das auf veraltete Strukturen hin.

Green Flag: Die Stellenanzeige verwendet geschlechtsneutrale Sprache oder explizite Formulierungen wie "alle Geschlechter willkommen". Benefits werden für "Partner:innen" oder "Lebenspartner:innen" ausgeschrieben. Es gibt einen ausdrücklichen Diversity-Statement, der LGBTQ+ Personen explizit zur Bewerbung ermutigt, wie es bei allen Stellenanzeigen auf LGBTQ+Jobs Standard ist.

Das Vorstellungsgespräch: Aufmerksam zuhören

Der Bewerbungsprozess selbst ist ein Testlauf für die Unternehmenskultur. Red Flag: Recruiter:innen oder Führungskräfte verwenden durchgehend heteronormative Annahmen ("Haben Sie eine Freundin/einen Freund?") oder reagieren irritiert, wenn du geschlechtsneutrale Pronomen verwendest. Besonders kritisch: Wenn Fragen zu deinem Privatleben unangenehm persönlich werden oder du das Gefühl hast, deine Identität rechtfertigen zu müssen.

Green Flag: Interviewer:innen stellen sich mit Pronomen vor oder haben diese in ihrer E-Mail-Signatur. Sie verwenden geschlechtsneutrale Formulierungen bei Fragen zum Privatleben. Das Unternehmen bietet proaktiv die Möglichkeit, im Gespräch mit LGBTQ+ Mitarbeitenden zu sprechen, um mehr über die Arbeitskultur zu erfahren.

Benefits und Richtlinien: Der Realitätscheck

Red Flag: Das Unternehmen kann keine konkreten LGBTQ+-spezifischen Richtlinien benennen. Gesundheitsleistungen decken keine transitionsrelevanten Behandlungen ab. Es gibt keine Regelungen zu Namens- und Pronomenänderungen oder zum Umgang mit Coming-outs am Arbeitsplatz. Elternzeit-Regelungen gelten nur für "leibliche Eltern" und schließen damit viele queere Familienkonstellationen aus.

Green Flag: Das Unternehmen hat ausführliche Anti-Diskriminierungsrichtlinien, die sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität explizit benennen. Healthcare-Benefits umfassen Hormontherapie, geschlechtsangleichende Operationen und psychologische Begleitung. Es gibt klare Prozesse für Namens- und Pronomenänderungen in allen Systemen. Partner:innen im gleichen Geschlecht erhalten dieselben Benefits wie verschiedengeschlechtliche Paare.

Repräsentation in Führungspositionen: Vorbilder zählen

Die Zusammensetzung des Führungsteams spricht Bände. Red Flag: Alle Führungskräfte entsprechen einem sehr homogenen Muster. Niemand im Management ist offen LGBTQ+. Es gibt keine Diversity-Verantwortlichen auf Führungsebene oder diese Position ist nur symbolisch besetzt ohne Budget oder Entscheidungsbefugnis.

Green Flag: LGBTQ+ Personen sind in verschiedenen Ebenen und Abteilungen sichtbar vertreten. Es gibt out Führungskräfte, die als Role Models fungieren. Das Unternehmen hat konkrete Diversity-Ziele mit messbaren KPIs und berichtet transparent über Fortschritte.

Mitarbeitenden-Netzwerke: Echte Unterstützung oder Alibifunktion?

Red Flag: Das LGBTQ+ Netzwerk existiert nur auf dem Papier und trifft sich zweimal im Jahr zum Kaffee. Es gibt kein Budget für Aktivitäten. Die Teilnahme wird nicht als Arbeitszeit anerkannt. Das Netzwerk hat keinen direkten Zugang zur Geschäftsführung.

Green Flag: Es gibt ein aktives Employee Resource Group (ERG) mit eigenem Budget und regelmäßigen Events. Die Netzwerk-Arbeit wird als wertvoller Beitrag zum Unternehmen anerkannt und zeitlich berücksichtigt. Das ERG hat einen Sitz am Tisch bei relevanten Entscheidungen und wird bei Richtlinien konsultiert.

Die Recherche-Checkliste: Aktiv nachforschen

Verlasse dich nicht nur auf das, was das Unternehmen dir präsentiert. Recherchiere aktiv:

  • Suche nach Bewertungen auf Plattformen wie Kununu oder Glassdoor, insbesondere nach Erfahrungen von LGBTQ+ Mitarbeitenden

  • Prüfe, ob das Unternehmen auf spezialisierten Plattformen wie LGBTQ+Jobs gelistet ist (ein gutes Zeichen, dass sie aktiv um queere Talente werben)

  • Prüfe, ob das Unternehmen an LGBTQ+ Karrieremessen teilnimmt oder bei Diversity-Indizes gelistet ist

  • Schau dir die Social-Media-Präsenz an: Wird nur im Juni gepostet oder ganzjährig?

  • Kontaktiere wenn möglich aktuelle oder ehemalige LGBTQ+ Mitarbeitende über LinkedIn

  • Frage im Interview direkt nach konkreten Diversity-Maßnahmen und Statistiken

Deine Sicherheit geht vor

Wichtig zu wissen: Du bist nicht verpflichtet, dich im Bewerbungsprozess zu outen. Aber ein wirklich inklusiver Arbeitgeber schafft ein Umfeld, in dem du dich sicher genug fühlen würdest, es zu tun. Vertraue deinem Bauchgefühl. Wenn etwas sich nicht richtig anfühlt oder du das Gefühl hast, dich verstellen zu müssen, ist das ein valides Warnsignal.

Die Suche nach einem LGBTQ+-freundlichen Arbeitgeber erfordert manchmal mehr Rechercheaufwand, aber es lohnt sich. Du verdienst einen Arbeitsplatz, an dem du authentisch sein kannst, wo deine Identität respektiert wird und wo du dieselben Chancen hast wie alle anderen. Mit diesen Red Flags und Green Flags im Hinterkopf kannst du informierte Entscheidungen treffen und den Arbeitgeber finden, der wirklich zu dir passt.

Genau deshalb gibt es LGBTQ+Jobs: Wir machen dir die Suche leichter, indem wir nur mit Arbeitgebern zusammenarbeiten, die authentische Inklusion leben. So kannst du dich auf das konzentrieren, was wirklich zählt: die richtige Karriereentscheidung für dich.

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